„Wahrheit und Meinung“
„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“
Ein guter Freund von mir promoviert gerade in Physik. Wenn er von seinen Themen erzählt – von Gravitation, schwarzen Löchern und dem Rest des Universums – bin ich ziemlich schnell raus. Ich finde es spannend, keine Frage. Aber verstehen? Schwierig. An einem bestimmten Punkt sitze ich einfach nur noch da und denke mir: „Krass. Was es alles gibt.“ Ob das alles stimmt, kann ich selbst gar nicht beurteilen. Dafür fehlt mir das Know-how. Also bleibt mir nichts anderes, als ihm zu vertrauen. Und darauf zu bauen, dass in der Wissenschaft alles nochmal von anderen geprüft wird, bevor es veröffentlicht wird. Peer-Review heißt das: Menschen, die sich richtig gut auskennen, werfen einen kritischen Blick auf die Arbeit. Fehler, blinde Flecken und unsaubere Argumente werden aufgedeckt – und erst wenn alles solide ist, wird das Ganze wirklich ernst genommen.

Alle Menschen haben das Recht, ihre Meinung zu äußern. Allerdings scheinen manche Zeitgenossen den zweiten Teil des Satzes zu vergessen. Erschwerend kommt hinzu, dass die „allgemein zugänglichen Quellen“ manchmal eben nicht der Wahrheit entsprechen. Und wenn man oder frau dann noch das Recht auf Meinungsfreiheit mit der „Pflicht zur Meinungsäußerung zu jedem Thema“ verwechselt, ist das Chaos da.
Wahrheit und Meinung sind also zwei verschiedene Dinge. Die Wahrheit ist ein objektiver Zustand oder ein eindeutiger Sachverhalt. Eine Meinung dagegen ist eine subjektive Einschätzung oder Überzeugung.
Für mich lautet die Kernfrage: Beruht diese (subjektive) Meinung auf der (objektiven) Wahrheit? Wie lässt sich das herausfinden? Keinesfalls auf die schnelle und bequeme Art. Prüfen ist ein Verb, ein Tu-Wort, das uns auch „Gevatter Google“ nicht abnimmt.
Und was, wenn Wahrheit gegen Meinungen steht? Die Geschichte – besonders die unseres Volkes – zeigt: Nicht immer ist die Wahrheit auf der Seite der Mehrheit.
„Was ist Wahrheit?“
Da stehen sie sich gegenüber: der angeklagte Jesus und sein Richter. Pilatus muss prüfen, ob die aufgebrachten und vor der Tür lauernden Massen, die lautstark das Todesurteil für Jesus fordern die Wahrheit sagen und mit ihrer Anschuldigung Recht haben – oder nicht. Sein Gegenüber spricht von Wahrheit. 4 Kapitel vorher hat er von sich sogar gesagt, dass er die Wahrheit in Person ist (Joh.14,6). Und dann diese Frage, die sich seit 2000 Jahren (und vermutlich auch schon lange vorher) die Welt stellt.
Gott selbst hat für die Wahrheitsfindung mindestens 2, besser 3 Zeugen vorausgesetzt Damals in der Residenz des Römischen Gouverneurs wurde diese Frage unter 4 Augen besprochen. Belastbare Zeugenaussagen gab es keine. Auch wenn Pilatus von der Unwahrheit der Masse überzeugt war, ließ er sich von der Meinung der vom Hohen Rat mobilisierten Truppe beeinflussen und Jesus kreuzigen. Die Wahrheit in Person wurde vom brüllenden Mob beseitigt, weil der Richter sein Rückgrat gegen eine Wirbelsäule eingetauscht hatte. Lasst es uns besser machen als Pilatus – auch wenn’s nicht leicht ist und allen gefallen wird!
In diesem Sinne viel Freude beim Lesen und viel Weisheit und Segen für dein Prüfen der Meinungen und dein Festhalten an Jesus, der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Geschäftsführer des ECSA

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